Baustandards: 220 oder bloss 38 Kilowattstunden?

Ein Vergleich mit neueren Baustandards wird deutlich: Familie Muster in unserem Beispiel bewohnt ein Haus, das nicht mehr zeitgemäss ist. Die Berechnung des Energieverbrauchs zeigt in diesem Fall, dass sie pro Quadratmeter und Jahr 220 Kilowattstunden Energie aufwenden müssen, um das Gebäude im Winter zu heizen und mit Warmwasser zu versorgen.

Faktor 5 oder 6

Das ist viel. Beim Minergie-Standard, dessen Grenzwerte 2009 noch einmal nach unten korrigiert wurden, sind nur 38 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche erlaubt. Oder umgerechnet auf den Energieträger Heizöl wären das lediglich 3,8 Liter Heizöläquivalent. Das ist fünf bis sechs Mal weniger als ältere, schlecht isolierte Wohnhäuser verbrauchen. Daniel Fuchs von der Minergie Agentur Bau sagt dazu: «Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass der Verbrauch vieler Wohngebäude in der Schweiz immer noch viel zu hoch liegt.»

Das Label-Minergie-P schreibt hingegen 30 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr vor. Weniger streng sind die heutigen gesetzlichen Minimalanforderungen. Sie liegen derzeit bei 90 Kilowattstunden bzw. 9 Liter Heizöläquivalent pro Quadratmeter beheizte Nutzfläche und Jahr.

Anders sind die Grundlagen der Energiebuchhaltung bei Energieträgern wie Holzpellets, Holzschnitzel, Fernwärme oder Gas. Doch auch hier geht es im Wesentlichen darum, die eingekaufte Menge in Kilowattsunden umzurechnen und richtig zu vergleichen. Der Lieferant, ein Haus- oder Energietechniker kann den Hauseigentümer dabei beraten und unterstützen.

Auch wer Fotovoltaik und Solarthermie einsetzt, also erneuerbare Sonnenenergie, sollte unbedingt überprüfen, ob die gewünschte Leistung auch tatsächlich erzielt wird.